Statistik

Osteoporose und die durch sie verursachten Frakturen sind wegen der damit verbundenen Morbidität und Behinderung, verringerten Lebensqualität und erhöhten Sterblichkeit ein wichtiges Problem im Bereich der öffentlichen Gesundheit. Osteoporose ist allein in der Europäischen Union für über 1700 Knochenbrüche täglich verantwortlich (ca. 650 000 jährlich). Mit jährlich etwa 2,5 bis 3 Mrd. Euro an direkten und indirekten Krankheitskosten in Deutschland hat die Osteoporose auch ein großes volkswirtschaftliches Gewicht. Deshalb wurde sie von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf die Liste der zehn wichtigsten Erkrankungen gesetzt.

Früherkennung

Die Messung der Knochendichte zur Früherkennung ist keine Leistung der gesetzlichen Kassen, der Versicherte muss sie selbst bezahlen, wenn kein Knochenbruch ohne Unfall (Ermüdungsbruch) bei Verdacht auf Osteoporose vor der Messung vorliegt.

Behandlung

Seit Oktober 2007 ist in Europa auch das Bisphosphonat Zoledronsäure zur Behandlung der Osteoporose zugelassen. Es wird als einmal jährliche Infusion angewandt.

Osteoporose

 

Osteoporose ist eine häufige Alters-Erkrankung des Knochens, die ihn für Brüche (Frakturen) anfälliger macht. Die auch als Knochenschwund bezeichnete Krankheit ist gekennzeichnet durch eine geringe Knochenmasse und den übermäßig raschen Abbau der Knochensubstanz und -struktur. Die erhöhte Frakturanfälligkeit kann das ganze Skelett betreffen.

An der Erkrankung leidet fast die Hälfte der über 70-jährigen (Frauen mindestens zwei Mal so häufig wie Männer), doch kann sie in Zusammenhang mit Calciummangel oder anderen Krankheiten auch schon in jüngeren Jahren auftreten. Häufige Folgen der Osteoporose sind Knochenbrüche.

Die Knochenmasse nimmt etwa in den ersten 30 Lebensjahren zu (in der Jugend wird Knochen aufgebaut), erreicht dann einen Höhepunkt (peak bone mass) und fällt in den späteren Lebensjahren langsam wieder ab. Besonders stark kann dieser Verlust an Knochenmasse auf Grund der hormonellen Umstellung bei Frauen im Rahmen der Wechseljahre sein. Man spricht dann von einer postmenopausalen Osteoporose, diese ist die häufigste Form der Osteoporosen. Die zweite Gruppen stellen die sogenannten sekundären Osteoporosen dar. Diese entstehen als Folge von anderen Erkrankungen oder durch die Einahme von Medikamenten.

Ursachen für eine sekundäre Osteoporose können sein:

  • Mangel an Sexualhormonen (Hypogonadismus)
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
  • übermäßige Cortisol-Produktion der Nebennierenrinde (Morbus Cushing)
  • Störungen der Nebenschilddrüse (Hyperparathyreoidismus)
  • Nierenerkrankungen wie Niereninsuffiziens
  • hochdosierter und regelmäßiger Gebrauch bestimmter Medikamente wie z. B. Cortison (zur Behandlung von Rheuma, Asthma oder Allergien)
  • Tumorerkrankungen unter Beteiligung des Knochensystemes (Plasmozytom, Leukämie

 

Pathogenese

Die Osteoporose ist eine zunächst unmerklich verlaufende Erkrankung, die aber im Fall von Knochenbrüchen, insbesondere bei alten Menschen, eine hohe Krankheitsbelastung (Schmerzen, Bettlägerigkeit, manchmal dauerhafte Immobilisierung) bedeutet.

Typische Merkmale der Osteoporose sind eine Abnahme der Knochenmasse und Verschlechterung der Knochenarchitektur sowie als deren Folge eine Abnahme der Knochenstabilität. Dies führt zu einer erhöhten Gefahr von Knochenbrüchen. Knochenbrüche bei Osteoporose finden sich insbesondere an den Wirbelkörpern der Wirbelsäule, am Oberschenkelhals und am Handgelenk. Die Heilung von Knochenbrüchen bei Osteoporose kann verzögert sein. Die Folgen von Knochenbrüchen können jedoch vor allem bei älteren Patienten nachhaltig sein und durch Komplikationen wie Lungenentzündung oder Lungenembolie zum Tode führen.

 

Risikofaktoren

Die Osteoporose wird häufig erst nach dem Auftreten der ersten Knochenfraktur diagnostiziert. Zu diesem Zeitpunkt ist die Erkrankung häufig fortgeschritten. In den letzten 10 Jahren wurden umfangreiche Studien zur Osteoporose durchgeführt. Die Ergebnisse wurden in Form einer Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Osteoporose zusammengefasst. Im Rahmen dieser Leitlinienentwicklung konnten Risikfaktoren bestimmt werden welche mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit (20%) für das Erleiden einer osteoporotischen Fraktur verbunden sind. Risikofaktoren sind:

  • Wirbelkörperfrakturen
  • Cushing Syndrom
  • subklinischer Hyperkortisolismus
  • primärer Hyperparathyreoidismus
  • Therapie mit Aromatasehemmerrn
  • Antiandrogene Therapie
  • Rheumatoide Arthritis
  • Proximale Femurfraktur eines Elternteils
  • Untergewicht (BMI < 20)
  • Nikotinkonsum
  • multiple Stürze
  • Immobilität
  • Epilepsie / Antiepileptika
  • Zustand nach Magen-(teil) entfernung (B-II-Operation / Gastrektomie)
  • Diabetes mellitus Typ 1

  

Diagnostik

 

Anamnese / klinische Untersuchung

Zu Beginn einer jeden Osteoporosediagnostik steht die ausführliche Anamnese und klinische Untersuchung. Hier befragt der Arzt ausführlich den Patienten um einen umfassenden Überblick über Beschwerden, vorangegangene Erkrankungen und Gesundheitsverhalten zu gewinnen. Die klinische Untersuchung kann bereits Hinweise für das Vorliegen einer Osteoporose geben.

 

Röntgen / CT / MRT

Nach einem Sturzereignis ergibt sich bei klinischem Verdacht auf eine Knochenfraktur die zwingende Notwendigkeit für die Durchführung einer Röntgenaufnahme. Aber auch ohne Sturz oder ähnliches Trauma kann eine typische osteoporotische Fraktur an der Wirbelsäule nur durch die Einwirkung des Körpergewichtes entstehen. Auch hier ist eine Röntgenkontrolle unbedingt notwendig. Komplizierte Brüche oder ältere Frakturen können mittels Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) genauer analysiert werden.

 

Knochendichtemessung

DXA

Die messtechnische erfassung einer Osteoporose kann mit einer Knochendichtemessung erfolgen, bei der der T-Wert ermittelt wird. Dies ist ein statistischer Wert, der einen Vergleich des gemessenen Knochendichtewertes mit der Population junger erwachsener Frauen ermöglicht. Seit etwa 1985 lässt sich die Knochendichte zuverlässig messen. Zur Messung der Knochendichte (BMD - engl. für bone mineral density) stehen verschiedene Techniken zur Verfügung. Am meisten verbreitet ist die Dual-Röntgen-Absorptiometrie (DXA oder DEXA - engl. dual-energy-x-ray-absorptiometry). Auf ihr basiert auch die Definition der WHO und mit ihrer Hilfe wird der T-Wert ermittelt.

Behandlungsraum DXA Messplatz    

Q-CT

Eine weitere Methode stellt die quantitative Computertomographie (QCT bzw. pQCT) dar. Bei dieser kann die Knochendichte lokal im Bereich der Wirbelsäule oder den Extremitäten bestimmt werden.

QUS

Die Messung der Knochendichte mittels Ultraschall, dem sogenannten quantitativen Ultraschall (QUS) hat in den letzten Jahren auf Grund neuer Geräte und umfangreicher Studien vermehrt Anwendung gefunden. Trotzdem ist die Ultraschallmessung als Diagnosekriterium nicht gesichert. Ein Befund in dieser Messung sollte mit einer DXA Messung kontrolliert werden.

 

Labor

Um den Schweregrad der Osteoporose abschätzen zu können und Grunderkrankungen zu erkennen die eine Osteoporose bewirken ist eine Labordiagnostik unerlässlich. Ebenfalls lassen sich andere Knochenerkrankungen von der Osteoporose abgrenzen.

 

Therapie

 

Maßnahmen zur Osteoporoseprävention konzentrieren sich in der Regel auf gesunde Lebensweisen, zu denen körperliche Aktivität, Nichtrauchen und die Einnahme angemessener Mengen von Kalzium und Vitamin D gehören. Zur Prävention von Frakturen werden pharmakologische Behandlungen stark gefährdeter Gruppen (Menschen mit erhöhtem Knochenbruchrisiko) und Maßnahmen zur Vermeidung von Stürzen als wichtige Interventionen empfohlen. Eine Früherkennung von Osteoporose durch Messung der Knochendichte oder andere Messungen ist angezeigt, damit die gefährdeten Menschen erkannt und behandelt werden können.

 

Operative Therapie

Osteoporosebedingte Knochenfrakturen stellen besondere Anforderungen an den Chirurgen. Frakturen im Bereich des Hüftgelenkes bis auf seltene Ausnahmen immer operativ versorgt. Dabei kann entweder ein Schrauben- oder Nagelimplantat oder ein künstliches Hüftgelenk zum Einsatz kommen. Frakturen im Bereich des Oberarmes und des Handgelenkes werden je nach Fehlstellung und Stabilität des Bruches operiert. Bevorzugt verwendet werden sogenannte winkelstabile Implantate welche im osteoporotischen Knochen besseren Halt finden. Anhaltend schmerzhafte Frakturen an der Wirbelsäule können mit Kyphoplastie oder Vertebroplastie behandelt werden. Hierbei wird ein dünnflüssiger Knochenzement in den frakturierten Wirbelkörper eingespritzt welcher diesen dann nach Aushärtung (ca. 10 min) von innen stabilisiert.

SHF     DHS     PFN    Duokopf     HTEP 

Schenkelhalsfraktur           dyn. Hüftschraube          prox. Femurnagel           Duokopfprothese          totale Hüftprothese

 Kypho 1     Kypho 2     Kypho 3     Kypho 4

Schematische Darstellung Kyphoplastie

 

Pharmakotherapie

Nach den Leitlinien des DVO wird empfohlen:

Basistherapie:

  • Kalzium (1000 mg) - Vitamin D (ca. 1000 IE) täglich

Spezifische Therapie:

  • Bisphosphonate (Alendronat, Ibandronat, Risedronat, Zoledronat)
  • Selektive Östrogen Rezeptor Modulatoren (SERM): Raloxifen
  • Parathormon / Teriparatid (Parathormonanalogon)
  • Strontiumranelat
  • Östrogene

Weiterhin gibt es mehrere zusätzliche Osteoporose-Therapeutika, die zur Therapie der postmenopausalen Osteoporose zugelassen sind, deren Wirkung in Bezug auf eine Senkung von Wirbelkörperfrakturen aber mit einem niedrigeren Evidenzgrad belegt ist, als dies bei den o.g. Medikamenten der Fall ist. Zu diesen Präparaten zählen: Alfacalcidol, Calcitonin, Etidronat, Fluoride und Nandrolon Decanoat.

Quelle: Leitlinienentwurf DVO 2009

 

Ergänzende Maßnahmen:

  • Ausschalten von Risikofaktoren
  • Physiotherapie / medizinische Trainingstherapie / Rehasport / Osteoporosegymnastik
  • Sturzprophylaxe
  • Ernährungsberatung